Erwähnung von Fleyh 1413 im Duxer Stadtbuch.
Kritische Bemerkung zur Nennung von Fleyh in einem Pfarrverzeichnis des Bistums Meißen aus dem Jahre 1346:
In mehreren Publikationen wird darauf hingewiesen, dass Fleyh, am Plateau des böhmischen Erzgebirges gelegen, bereits 1346 urkundlich erwähnt wird.
Gert
Weidhas aus Leipzig hat mich in einem unveröffentlichten Brief
darauf aufmerksam gemacht, dass es das oft zitierte Pfarrverzeichnis
aus dem Jahre 1346 nicht mehr gibt ( oder dass es
verschollen ist ) und dass die älteste, erhaltene
Pfarrmatrikel des Bistums Meißen aus dem Jahre 1495 stammt.
Sehr ausführlich und plausibel hat er mir dargelegt, dass es
sich bei dem im Pfarrverzeichnis 1495 genannten Flew mit
sehr großer Wahrscheinlichkeit um das sächsische Flöha
handelt, und nicht um die böhmische Gemeinde Fleyh.
1752
publizierte Pater Sigismund Calles, SJ,1
ein Pfarrverzeichnis des Bistums Meissen, das
sowohl ein Flevv, als auch ein Flöhe
enthält. Aus der Überschrift dieses
Pfarrverzeichnisses geht hervor, dass als Vorlage für den Druck
eine Matrikel aus dem Jahre 1346 diente. Die Original-Vorlage dürfte
zwar 1346 angelegt worden sein, stand aber wahrscheinlich bis
zum ausgehenden 15. Jahrhundert in Verwendung. In dieser Zeit
wurden zahlreiche Korrekturen und Erweiterungen vorgenommen, die
Calles in seine Abschrift übernommen hat.
Selbst wenn mit
einem der beiden genannten Orte tatsächlich das Fleyh
im Erzgebirge gemeint war, so läßt sich aus der
Überschrift dieses Pfarrverzeichnisses nicht schließen,
dass Fleyh schon vor 1346 existierte.
( Mehr über das
Pfarrverzeichnis 1346 in einem kleinen Beitrag zu diesem Thema auf
meiner home page im Internet )
Wenn also als erste urkundliche Erwähnung von Fleyh 1346 nicht stimmt, drängt sich die Frage auf: Wann ist Fleyh entstanden?.
Im Stadtbuch von Dux wird 1413 ein Merteyn, Richter von der Flewe, genannt.
Bei
meinen bisherigen Recherchen konnte ich kein Dokument über die
Gründung von Fleyh finden, jedoch hat mir Jiri Wolf aus Duchcov,
Tschechische Republik, mitgeteilt, dass im Stadtbuch von
Dux 1389, ein Merteyn, Richter von der Flewe, genannt
wird.
Es handelt sich um die Eintragung Nr. 723 im Duxer
Stadtbuch. Sie wurde am 1. Amtstag nach dem 8. Nov. 1413
vorgenommen und lautet:
1413, November, 8.
Judicium
feria IIII. Ante Martini.
723. Vor vns ist kvmen gewest
Merteyn, richter von der Flewe vnd hatte beschuldiget Nickel
Waltman von schulde wegen. Des wart yn tag vnd dyng geleyt. Des
gestvnd Merteyn nicht eyn dyng, czwey, dreye, vyre vnd noch vil mer.
Des ist Waltman von demselben Merteyn ledig geteylet.
( Transkription von Karl Kochmann, Prag 1941 )
Kartographische Darstellung von Fleyh.
Die
erste kartographische Darstellung von Fleyh dürfte jene im
berühmten Atlas THEATRVM ORBIS TERRARVM von Abraham
Ortelius aus dem Jahre 15702
sein.
In der Sachsen-Karte dieses Werkes ist Fleyh als Floe
an der sächsisch-böhmischen Grenze eingezeichnet.
Der
Sachsen-Karte in Ortelius' Theatrum liegt eine von J.
Criginger bearbeitete - im Original nicht mehr erhaltene -
Chorographia nova Electoratus Saxonici et totius
Misniae ... ( Prag 1568 ) zugrunde.3
Für
Hinweise über ältere urkundliche Erwähnungen von Fleyh
wäre ich sehr dankbar.
Günter Kallinovsky, A 1210 Wien,
Stephensongasse 1 / 4 / 12
Erstveröffentlichung im April 2003; Rev. im Mai 2003
1P. Sigismvnd Calles e Societate Jesv: SERIES MISNENSIVM EPISCOPORVM ... , Ratisbonae et Viennae, 1752
2Erste Ausgabe 1570, dann fast jedes Jahr weitere Ausgaben und / oder Ergänzungen.
3Lexikon zur Geschichte der Kartographie, bearbeitet von Ingrid Kretschmer, Johannes Dörflinger und Franz Wawrik, Band 2, 1986, Franz Deuticke - Wien
Weitere Beiträge zur Geschichte der Pfarre Fleyh:
http://familienforschung-kallinovsky.heim.at/