Die Herrschaft Riesenburg / Dux unter besonderer Berücksichtigung der „Gebirgsdörfer“ Fleyh, Motzdorf, Georgen(s)dorf und Willersdorf von den Anfängen bis zur Wiedererrichtung der katholischen Pfarre Fleyh im Jahre 1670.
Zusammengestellt von Günter Kallinovsky, Wien
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1192 |
Graf Johann Milgost
holt Zisterzienser aus Waldsassen/Bayern nach Maschau/Böhmen.
Aufgrund einer Stiftung des Biliner Burggrafen Slavko aus dem
Geschlecht der Hrabischitzen ziehen die Mönche einige Jahre
später nach Ossegg ( = Osek ) am Fuße
des Erzgebirges, wo die Hrabischitzen die Burg Osek besitzen. |
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1196 |
wird
allgemein als Gründungsjahr des Klosters Ossegg angenommen.
Die Übersiedlung von Maschau nach Ossegg erfolgte jedoch
erst 1199. Eine eigentliche Stiftungsurkunde des Klosters, die
den genauen Zeitpunkt beinhalten würde, ist nicht vorhanden.
Erhalten ist eine Abschrift der königlichen
Bestätigungsurkunde, ausgestellt von König Přemysl
I. am 24. April 1203.
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1209 |
Der Prager Bischof
Daniel verleiht in Ossegg dem Abt das Kirchenpatronat zu Sayda in
Meißen. |
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1250 |
Borso II ( aus dem Geschlecht der Hrabišice ) erbaut die Riesenburg bei Ossegg. Ab nun nennen sich die Hrabischitzen auch „die Herren von Riesenburg”. Ihre Besitztümer reichen in dieser Zeit bis weit in das heutige Sachsen. Burg Sayda ca. 1150, Burg Purschenstein ca. 1200 ( der Name kommt von Borsenstein ), Burg Rechenberg vor 1270. ( Der Name Rechenberg kommt von ihrem Wappen, hrabe = Heurechen ) |
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1254 |
Borso II von
Riesenburg fällt bei König Ottokar in Ungnade und
verliert alle seine Güter. Er erringt jedoch bald wieder die
Gunst des Königs, den er auf seinem ruhmvollen Zuge gegen
die Ungarn begleitet. |
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1276 |
Borso II erhebt
sich mit anderen Adeligen gegen König Ottokar. 1278 wird er
verbannt und seine Güter abermals konfisziert.
Er stirbt noch vor dem 26. August 1278 ( Schlacht
bei Dürnkrut ) in Ungarn. |
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1278 |
Die Heere Rudolfs von
Habsburg verwüsten Ossegg und stecken das Kloster in Brand.
Abt Theodorich flieht nach Meißen und kehrt erst 1281 nach
Ossegg zurück. Während seines Aufenthaltes in Meißen
hat Abt Theodorich nicht nur das
Patronat der Kirche zu Sayda, sondern auch den zehnten Teil der
dortigen Zolleinnahmen wiedererlangt. |
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1299 |
Aus Urkunden von 1299
und 1300 geht hervor, dass König
Ottokar die einstmals Riesenburger Region um Sayda und
Purschenstein „zum Ausgleich für gewisse Güter
Österreichs” an den Markgrafen Heinrich von Meißen
abgetreten hatte. |
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1346 |
Fleyh
hatte schon vor 1346 eine
Pfarrei, die damals zur Diözese Meißen in
Sachsen gehörte. |
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1351 |
Boresch von Riesenburg
( = Borso IV ) verkauft die ihm gehörigen
Vesten Saydow und
Borssenstein im
heutigen Sachsen an den Burggrafen Meinhard von
Meißen. |
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1398 |
Boresch
von Riesenburg verkauft Schloss
Riesenburg mit allen seinen Zugehörungen dem Markgrafen
Wilhelm von Meißen um 40.000 Mark Silber. |
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1402 |
Urkundlicher
Nachweis einer Glashütte bei Moldau ( Moldava ). |
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1413 |
Im
„Stadtbuch von Dux 1389” wird ein Merteyn, Richter
von der Flewe, genannt. Erste sichere, urkundliche Nennung von
Fleyh! |
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1459 |
25. IV. 1459 Fürstentag
zu Eger. |
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1459 |
Der Hoflehensrichter Zbinko Hase von Hasenburg
erhält von König Georg von Podiebrad die Riesenburg mit
allem Zugehör als Pfandgut.
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1466 |
Diepold
von Wartemberg, Pfandinhaber der Riesenburg. |
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1469 |
bis 1473
ist der „Raubritter” Freiherr Heinrich von Rabenstein
auf Riesenburg Besitzer der Herrschaft Riesenburg. Da er seine
Übeltaten auch auf sächsischem Gebiet ausübt,
erregt er den Zorn der Sachsenherzöge. Am 1. Oktober
1473 erklären ihm Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht
die Fehde. |
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1473 |
Paul
Kappler von Sullowitz auf Tschochau wird neuer
Pfandbesitzer. |
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1482 |
Paul
von Sulewitz auf Dux und
Riesenburg fungiert als Zeuge in einem Vertrag zwischen Timo von
Kolditz, Herr auf Graupen und Bilin und dem Besitzer von Teplitz,
Burghardt von Vitzthum und Neuschönberg. |
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1506 |
Wegen der Bergordnung wird am 14. Dezember 1506 in
Graupen eine Versammlung abgehalten. Ein katholischer Pfarrer aus
Fleyh wird
genannt. |
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1523 |
Theobald von Lobkowitz, „gesessen auf Dux”
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1530 |
übernehmen die Söhne Georg, Johann und
Litwin des oben genannten Diepold Popel von Lobkowitz von Kaiser
Ferdinand I in ihrem und ihrer minderjährigen Brüder
Namen die bisherige Pfandschaft in erbliches
Eigentum. |
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1538 |
Erbteilung der Brüder von Lobkowitz. „Fleyh
mit Görn und Langewiese” fällt auf den Anteil des
Wenzel Popel von Lobkowitz auf Dux. |
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1547 |
Fleyh, Moldau
und Zinnwald kommen endgültig zu Böhmen. In diesem
Jahre wurden die Grenzstreitigkeiten zwischen König
Ferdinand und dem Herzoge Moritz von Sachsen
beigelegt. |
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1547 |
Litwin v. Lobkowitz auf Bilin erlaubt den
Vertretern der Stadt Freiberg/Sachsen den Bau eines Lohnhauses in
Motzdorf. |
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1574 |
Wenzel Popel von Lobkowitz auf Dux und Riesenburg (
† 1574 ) lässt seinen
letzten Willen im neuerbauten Schloß zu Dux
niederschreiben. War die Riesenburg durch einen Brand zerstört
worden? |
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1592 |
Georgensdorf
wird von Georg v. Lobkowitz als Holzhauersiedlung
gegründet. |
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1606 |
ca. 1606 lässt der
Erzbischof v. Prag, Karl v. Lamberg, der damals in Ossegg weilte,
die meisten Urkunden des Klosters Ossegg auf der unterhalb des
Klosters gelegenen „Stutenwiese“
verbrennen. |
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1615 |
Willersdorf wird
neu angelegt „allwo vormals lauter Wald
gewesen”. |
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1624 |
Der Bau des Flößgrabens von Fleyh
nach Clausnitz in Sachsen wird begonnen. |
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1629 |
Fertigstellung des Flößgrabens. |
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1642 |
Die Herrschaft Dux kommt durch Heirat an die Familie
Waldstein-Wartenberg. Der letzte Lobkowitz der Duxer Linie, Franz
Josef, starb ohne Nachkommen. Seine Witwe, Polixena Maria, geb.
von Talmberg, heiratet den ebenfalls verwitweten Maximilian von
Waldstein. |
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1653 |
In Fleyh
errichtet die noch immer lutherische Bevölkerung ein neues
Bethaus in Form eines einfachen, rechteckigen Holzbaues. |
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1654 |
Berní
Rula 1654 ( Steuerrolle ) |
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1664 |
Joh. Friedrich Graf v. Waldstein tritt das Erbe seines Vaters, die Duxer Herrschaft, an. |
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1667 |
Beginn der „Bekehrung” der lutherischen
Bevölkerung durch Kapuziner-Patres, die auf Ansuchen des
Grafen Waldstein vom Kapuzinerorden von Brüx nach Fleyh
entsandt wurden. Die Gegenreformation wird durch den
Herrschaftsbesitzer und späteren Erzbischof von Prag, Joh.
Friedrich Graf Waldstein-Wartenberg, mit besonderer Brutalität
vorangetrieben. Etwa die Hälfte der Bevölkerung
flüchtet nach Sachsen. Im Jahre 1670 haben die Dörfer
Fleyh, Motzdorf, Georgensdorf und
Willersdorf nur mehr katholische
Einwohner. |
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1670 |
wird die katholische Pfarre Fleyh wiedererrichtet ( 24. Juni 1670 ). Die Seelsorge übernimmt bis Oktober 1670 Martin Gebhard, Pfarrer von Moldau. Am 23. Oktober 1670 erfolgte die feierliche Installation des 1. Pfarrers von Fleyh, Tobias Alex. Max. Hermann. |
Für die Zeit von 1680 bis 1782 existiert im
Staatlichen Bezirksarchiv in Most eine handgeschriebene Pfarrchronik
( latein und teilw. deutsch ). Eine vollständige
Transkription und Veröffentlichung wäre eine sehr
dankenswerte Aufgabe !
Die oben zusammengestellte Chronik der ehemaligen
Herrschaft Riesenburg / Dux ist noch nicht abgeschlossen. Über
Vorschläge für Korrekturen und Ergänzungen würde
ich mich sehr freuen.
Günter Kallinovsky
Stephensongasse
1 / 4 / 12
1210 Wien
Wien, im Juli 2006
Literatur:
[1] Jos. R. Grunert: „Ossegg”, Dux 1886
[2] Rudolf Hemmerle: „Sudetenland”, Augsburg 1996
[3] Pater Joh. Hrdy: „Fleyh” in der Erzgebirgs-Zeitung, 20. Jahrgang, Teplitz 1899
[4] Vít Joza: „Der Flößgraben Fleyh - Clausnitz, Usti nad Labem 2002
[5] Günter Kallinovsky: „Beiträge zur Geschichte der Pfarre Fleyh”, veröffentlicht unter http://familienforschung-kallinovsky.heim.at/ im Internet.
[6] Hans Beschorner: „Die Herrschaft Riesenburg”, Forschung zur Geschichte Sachsens und Böhmens, Dresden 1937
[7] Albrecht Kirsche:
„Zisterzienser, Glasmacher und Drechsler”
Waxmann
Verlag, 2005
[8] Joh. Joachim Müller: „Reichstagstheatrum”, II. Vorstell., Seite 537 ff., Jena 1713
[9] Erich Berlet: „Die sächsisch-böhmische Grenze im Erzgebirge”, Oschatz 1900
[10] Georg Pilk: „Geschichte der Burg Rechenberg”, Neues Archiv für Sächsische Geschichte, 16. Band, Dresden 1895
[11] Karl Schneider: „Fleyh, ein Dorf im Grenzwald zwischen Böhmen und Sachsen”
[12] Jaroslaus Schaller: „Topographie des Königreichs Böhmen”, Fünfter Theil, Wien und Prag 1787 - 1791
[13] Joh. Sommer: „Das Königreich Böhmen”, Erster Band, Prag 1833
[14] Dr. Joh. Ev. Schlenz: „Geschichte des Bistums und der Diözese Leitmeritz”, II. Teil: Maximilian Rudolf Freiherr v. Schleinitz und seine Zeit. Warnsdorf 1914
[15] Berní Rula 1654, Staatsarchiv Prag
[16] Alfred Gaudnek: „Gemeinde-Gedenkbuch-Fleyh”, Bezirksarchiv Most
Weitere Beiträge zur Geschichte der Pfarre Fleyh:
http://familienforschung-kallinovsky.heim.at/